Bad Aibling – „Die Menschen wachrütteln für mehr Zivilcourage“ – dieses Credo kennzeichnete den Themenabend mit „einschlägigen“ Gästen, zu dem der Aiblinger Verein „Mut & Courage“ in den Kurhaus-Konzertsaal eingeladen hatte.

In seinem Grußwort ging Bürgermeister Felix Schwaller auf den Vorfall im Jahr 2007 ein, bei dem die Vereinsvorsitzende Irene Durukan bei einer Schlägerei einschritt und einen jungen Mann vor noch größerem Unheil bewahrte. „Dieses Ereignis war ein Alarmzeichen für unsere Stadt“, bekannte der Rathaus-Chef, der sich danach für die Einführung einer Stadtstreife stark gemacht hatte.

Durch das Wirken der Stadtstreife, den Erlass einer Ordnungssatzung und einen verstärkten Personaleinsatz bei der Polizei sei die Gefahrenlage inzwischen etwas zurückgegangen. „Durch mehr mutige Menschen wie Irene Durukan würde sich die Situation deutlich verbessern“, bekräftigte der Aiblinger Bürgermeister.

Der seinerzeit durch das mutige Eingreifen von Irene Durukan geschützte Sebastian Erl beschrieb sein damaliges Gefühlsleben, das zusätzlich zu den erlittenen Verletzungen durch in seinen Augen unsensible Äußerungen, unter anderem seitens der Polizei, verschlimmert worden sei. Bei der Aufarbeitung des Erlebten sei er jedoch wirkungsvoll vom „Weißen Ring“ unterstützt worden.

Peter Maier, Vorstandsmitglied der Dominik-Brunner-Stiftung, erläuterte deren Ziel, die Ideale Brunners (er wurde getötet, als er in Solln Kinder vor Schlägern schützen wollte) weiterleben zu lassen und die Menschen „wachzurütteln für mehr Zivilcourage“. Er zählte die zahlreichen Aktivitäten und Projekte der Organisation auf, die im kommenden Jahr die Vision eines „Dominik-Brunner-Hauses“ verwirklichen wolle.

Der BR-Moderator Peter Fraas schilderte eine brutale Attacke in der S-Bahn, deren Beobachtung sein Leben veränderte. Mit bewegenden Worten berichtete Salome Saremi-Strogusch über den Tod ihres Bruders Fabian Salar, der bei einer Schlägerei in Bensheim Menschen schützen wollte und dabei so schwer zusammengeschlagen wurde, dass er vier Wochen später den Verletzungen erlag. Zusammen mit ihrem Vater habe sie danach den Verein „Fabian Salars Erbe“ gegründet mit dem Ziel, Menschen zu motivieren, damit sie „helfen und nicht wegschauen“. Neben Erl und Fraas sprach auch Salome Saremi-Strogusch ein „teilweise nicht nachvollziehbares“ Verhalten seitens der Polizei an.

Kriminaloberkommissar Wolfgang Moritz wies in seinem Erfahrungsbericht auf die Wirkung des Alkohols bei den meist jugendlichen Schlägern hin und empfahl unter anderem, bei Vorfällen nicht „den Helden zu spielen“, die Täter nicht zu provozieren, jedoch andere Personen konkret zu aktivieren und die Notrufnummer „110“ zu wählen.

Im Mittelpunkt des von der RFO-Geschäftsführerin Silvia Stock moderierten Abends stand die Präsentation des Buches „Zivilcourage – keine Frage!“, aus dem die beiden Autorinnen Constanze Löffler und Beate Wagner zitierten. In diesem „praktischen Leitfaden zur Umsetzung von Zivilcourage im Alltag“, für dessen Entstehen auch zahlreiche Interviews geführt wurden, werden unter anderem wissenschaftliche Hintergründe zu Gewalttaten erläutert und Verhaltensregeln beschrieben.

Musikalisch begleitet wurde der eindringliche Abend von Liedermacher Sio Steinberger, der als Gründer des Vereins „Erde und Mensch“ an Salome Saremi-Strogusch den „Menschenslicht“-Preis 2010 verlieh für „ihr Engagement und ihren Weg, den sie sich nicht freiwillig ausgesucht hat“.

In ihrem Schlusswort würdigte Irene Durkan das Engagement der Akteure des Abends und wendete sich an die Besucher, darunter auch die Bürgermeister-Stellvertreter Heidi Benda und Otto Steffl, mit den Worten: „Wir sind gefordert als Einzelne“.

bjn/Mangfall-Bote (http://www.ovb-online.de/aibling/ziel-menschen-wachruetteln-1220195.html)


Hier noch einige Bilder zum Event:

http://www.muttutgut.org/index.php?option=com_phocagallery&view=category&id=30:zivilcourage-keine-frage&Itemid=43

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